Donnerstag, 19. Januar 2012

Lebenszeichen

Bis vor einem Monat hätte ich nicht gedacht, dass ich diesen Terminus einmal in einem derart wörtlichen Sinne benutzen würde. Eigentlich will ich's an dieser Stelle auch nur ganz kurz halten und ankündigen, dass es in nächster Zeit bestimmt wieder die eine oder andere Nachricht aus der Küche geben wird, glaub ich zumindest...
Das, was mir vor etwas mehr als einem Monat passiert ist, kann ich eigentlich nur so wiedergeben wie es mir erzählt worden ist, sprich: über den entscheidenden Momenten liegt der gnädige Mantel des Nichterinnerns (und das weiss ich sehr zu schätzen!).
Am 14. Dezember hat sich mein Herz eine Auszeit genommen und das rücksichtsvollerweise direkt vor der Praxis meiner Hausärztin (die beste von allen!). Wie ich's dann noch bis zu ihr in die immerhin erste Etage geschafft habe, wird kein Mensch jemals erfahren.
Dass die sogenannte Rettungskette dann vorbildlich funktioniern konnte, ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass im entscheidenden Moment der Wäschelieferant dort war, seines Zeichens (und jetzt halt dich fest!) im früheren Leben Rettungssanitäter!!! Ich finde, an dieser Stelle sind drei Ausrufzeichen mehr als angemessen.
Irgendwann müssen es dann sechs Menschen gewesen sein, die mit vereinten Kräften meinem Herzen wieder auf die Sprünge geholfen haben (ich hab's irgenwann mal auf facebook erwähnt: mein Brustkorb hat sich noch ziemlich lange so angefühlt als hätte ein komplettes Riverdanceensemble seine Choreographie darauf einstudiert.)
Im Nachhinein verneige ich mich nicht zuletzt vor der herausragenden Leistung der Herrschaften, die auf der Intensivstation Dienst taten und nehme ihnen das zweitägige Kältekoma auch nicht mehr übel. Schliesslich war es nicht die Stunde, da man auf meine legendäre Kälteempfindlichkeit Rücksicht nehmen konnte, also Schwamm drüber!
Ausserdem hatten wir ja auch einen Heidenspass als ich nach 72 Stunden Verzicht auf Schlaf (habt ihr's mit dem Cocktail nicht n bisschen übertrieben???) anfing, Witze auf englisch zu erzählen? Zumindest klinkt sich da mein Erinnerungsvermögen einigermassen zuverlässig wieder ein.
Ebenso zuverlässig habe ich meinerseits kaum was ausgelassen, was als sogenanntes Durchgangssyndrom beschrieben wird und deshalb nehme ich im Nachhinein die Drohung, man könne mich durchaus fixieren, wenn das so weitergeht, niemandem mehr übel, ehrlich! Wer kann schon wirklich ein Blutbad gebrauchen, nur weil der Patientin die 30 Zentimeter Radius vom Bett aus nicht reichen?
Also auch hier: Schwamm drüber!
Am 28. Dezember wurde mir ein Defibrillator implantiert. Leider ist das Ding nicht so klein wie ein Microchip (wie ich gelaubt hatte), sondern hat die Ausmaße einer Schnupftabakdose. Weil ich unter'm linken (unterm rechten im übrigens auch nicht) Schlüsselbein kein Gramm Fett beherberge, ist der Kasten, der seitdem meine Lebensversicherung (und daher nicht verhandelbar) ist, verhältnismässig prominent. Die Narbe verheilt allerdings erstklassig.
Und da sind wir auch schon beim entscheidenden Punkt. Mein Körper steht, was Heilung betrifft für ein medizinisches Wunder, die Seele stellt sich da noch n bisschen holperig dar, sprich ohne Ambitionen auf Wunderleistungen.
Parabelflüge waren wir mir schon immer suspekt und dieser war zudem ein unfreiwilliger, deshalb sei mir verziehen, dass ich noch nicht in der Lage bin, jeden Morgen vor Dankbarkeit irgendeinen Schrein anzubeten.
Dankbar bin ich allerdings meiner Familie, die diesen Schock ausgehalten hat, den Freundinnen und Freunden vor Ort und in den sozialen Netzwerken für's Nachfragen und Mutzusprechen. Seid noch eine Weile geduldig mit mir!

4 Kommentare:

  1. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  2. Heieiei! Was für ein großes Glück, dass es dann letztendlich so verlaufen ist, wie es verlaufen ist und es wieder bergauf geht! Das Herz ist bei uns gerade leider auch sehr präsent, irgendwie rechnet man mit sowas ja erstmal gar nicht. Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute, viel Kraft und Zuversicht, und dass Dir der Defi dabei hilft, Dich sicher zu fühlen!

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  3. Meine liebe Freundin,

    weißt Du, wie dankbar und glücklich ich bin, dass es Dich noch gibt?! In diesen Zeiten von schlechten Nachrichten war Deine eigene Geschichte eine sehr schockierende, aber vor allem eine Nachricht, die uns hoffen lässt, dass auch noch gute Dinge passieren.

    Deine Zeit jetzt ist für Dich wohl die schwerste, die anstrengendste und eine Geduldsprobe. Und es wird sicher noch dauern, bis die Seele nachkommt... Dafür wünschen wir Dir hier nur das Beste, die meiste Kraft und Energie pur! Wir denken häufig an dich!

    Bleib geduldig, lern dich neu kennen und gib Dir Zeit.

    Wir freuen uns darauf, Dich wiederzusehen! Und dass wir Dich wiedersehen dürfen!

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  4. Scheiße auch! Du siehst mich geplättet. Gute Besserung!

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