Donnerstag, 12. Mai 2011

Auf'n Kaffee ins Ehrenfeld - die Butterbrotbar

Es gab einmal Zeiten in der sogenannten Bochumer Nordstadt, da jene Bewohner, die partout nicht die Finger vom Puls der Zeit lassen konnten, berechtigte Hoffnungen hegten, in Bälde Zeuge, wenn nicht gar Teil eines rasanten kreativen Aufschwunges zu werden. Beflügelt von kühnen Ideen und kühlem Weisswein, beides leidenschaftlich im Rauschen produziert bzw. konsumiert, fand man den Mut, bereits die ersten Strophen auf den Abgesang des Ehrenfeldes zu dichten.
Der Rest ist nicht mehr ganz so neue Geschichte und eigentlich rasch erzählt. Der erwartete Zulauf aller Kreativen, welcher Zunft auch immer angehörig, entwickelte sich zu einer zünftigen und beständigen Abwanderung. Wer nicht soweit ging, in Hamburg sein Glück zu suchen, wurde von Nachbarn, für die Ruhe und Ordnung höchstes Gut sind, aus dem Quartier gepiesackt.
Dem inzwischen legendären Zitat „....aber das mit der Musik muss aufhören!“ ist somit auch nichts mehr hinzuzufügen, die Musik spielt jetzt in der Tat woanders.
Den letzten einigermaßen interessanten Neuzugang, einen ehemaligen Maurer, der's mal mit kreativer Fischwirtschaft versucht hat, konnten wir auch mit vereinten Kräften nicht bei uns halten.
Und über die Tatsache, dass es seit ein paar Tagen auf der Herner Strasse einen Laden mit zu Filz gewordenen Träumen für Mutti und Baby gibt, möchte ich gerne schweigen.
Hochmut kommt vor dem Fall, Irren ist bekanntlich menschlich und die Tatsache, dass das Ehrenfeld kurz vorm Brummen ist (noch ist es ein on dit, dass die Immobilienpreise im Steigen begriffen sind!), nicht mehr zu leugnen. Anfänglich zögernd, denn Gesichtsverlust ist etwas hässliches und bedarf sensibler Verarbeitung, begann man die Schritte in Grobrichtung Schauspielhaus zu lenken. Stets bereit, auf neugieriges Nachfragen ein lässiges „...war grad in der Nähe.“ parat zu haben. In dem Zusammenhang ist es im übrigen überaus nützlich, ein Blog zu betreiben. Du latscht ja schliesslich nicht aus Mangel an Alternativen sondern aus hehrem journalistischem Interesse durch die halbe Stadt, gelle!?
Von diesem und keinem anderen Gedanken durchdrungen begab sich das Kommando gestern also zum Hans- Ehrenberg- Platz 1, weil es da seit Ende April die Butterbrotbar gibt.
Die charmante Location wird zum einen von Maren Meyer zu Westerhosen betrieben, zum anderen bereitet Katrin Manzke dort in der perfekt ausgestatteten Gastroküche ihre Feinkost im Glas zu, also quasi zwei Geschäfte in einem. Aber eins nach dem anderen: wenn nicht noch der lauschige, baumumsäumte Aussensitz dazukommt, ist die Butterbrotbar ein heller und freundlicher Raum, dessen Zentrum ein grosser Esstisch mit zehn oder elf Plätzen bildet.
Wir erinnern uns, im Rauschen gab's dieses kulinarische Begegnungskonzept schonmal und ist, soweit ich weiss, gut angenommen worden. Ausserdem bin ich der festen Überzeugung, dass Frau Meyer zu Westerhosen mit ihrer tiefenentspannten, sympathischen Ausstrahlung etwaige soziale Dissonanzen bei Tisch bestens zu kompensieren in der Lage ist.
Das Brot für die Butterbrote backt sie selber. Wie ich seit gestern weiss, mit australischem Sauerteig. Seit einiger Zeit weiss ich, dass man wahre Hipster unter anderem an der Jutetasche erkennt, seit gestern weiss ich auch, dass in Australien im Moment Sauerteigbrot total hip ist.
Meine Internetrecherche zu diesem Thema führte zu wenig Erhellung. Fest steht aber, dass das Brot grandios schmeckt, die Aufstriche, wie z.B. Forellen-Frischkäseaufstrich mit Limette sowieso.

Zur Mittagskarte bitte hier entlang.
(Versteht sich von selbst, dass hier regional und saisonal eingekauft wird.)
Keineswegs würde ich empfehlen, die Finger von den Kuchen zu lassen, und ach, wenn man dann den Kaffee noch in der Prinzssinenversion serviert bekommt, kann's doch schöner gar nicht sein, oder?
Wenn wir mal wieder, ähem, in der Nähe sind, schauen wir gerne rein....Quatsch, wir kommen wieder, Punkt!

1 Kommentare:

  1. Kaffee in Prinzssinenversion das gefällt mir, bekommt den jeder? Wenn ja muss ich da hin!

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