Donnerstag, 30. Dezember 2010

Komm, einer geht noch!

Ich hab von 2010 den Kaffee auf, this for sure! Ich hab keinen Bock auf grossartige Jahresrückblicke. Gut, ein paar Nettigkeiten waren dabei, aber im Grossen und Ganzen war 2010 ne egozentrische Diva, die ihr Ding durchgezogen hat, ohne zu fragen, wie's mir dabei geht. Immer, wenn ich dachte, jetzt kommen wa einigermassen miteinander aus, ohne uns vorn Koffer zu pinkeln, war wieder irgendwatt. Und den Streifen hat se bis zum Schluss durchgezogen, Alter, ich schwör! Klar bin ich jetzt ungerecht, aber wer hat behauptet, dattet im Leben immer gerecht zugehen muss, hä? Von wegen Dankbarkeit, dattet immer genuch zu Essen gegeben hat, nö, kein Bock, ich wär gerne endlich Millionärin, basta!
Und watt sollte eigentlich die Nummer mit dem Wasserschaden im Bad am ersten Weihnachtsfeiertach, kann mir datt ma einer erklären? Gut, Schneemassen auffem Dach und datt ganze Gedöns; wär mein Bad aus Carraramarmor wär ich da einmal feucht drübergegangen und der Drops wär gelutscht gewesen. Aber, nee, gezz wird erstmal gewartet, bis der ganze Mist getrocknet is und in der Zwischenzeit kuckich mir datt gelbbraune Gesprenksel anner Wand an. Gerecht geht anders, Alter!
Jajaja, ich hab Freunde, es gibt Menschen, die mich lieben, ich hab tolle Bücher gelesen, ich hab der Sonne beim Untergehen und auch beim Aufgehen zugesehen, in meinem Sommerflieder tummeln sich die Blaumeisen, in Krankenhäusern gibt's bald nur noch Zweibettzimmer, wir kriegen endlich unser Konzerthaus, ich müsste eigentlich der glücklichste Mensch der Welt sein.
Binnich aber nich! Meine nach Lavendel duftenden Mülltüten aus Mallorca sind so gut wie aufgebraucht, Madonna hat mir dieses Jahr nicht zum Geburtstag gratuliert, mein Augen Roll On hat sich als Flop erwiesen und der Papst ist nach wie vor katholisch, noch Fragen??? Ich fürchte, irgendwas muss anders werden...
Bis ich weiss, was das sein kann, zeig ich dir, was ich aus den Resten des Weihnachtsessens gemacht habe. Voilà: Ravioli mit Füllung vom Pferdesauerbraten, Frischkäse, getrockneten Tomaten und Petersilie an Rotkohl- Portweinreduktion.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Wbeeza - Jackaboom (Third Ear)


Junger Südlondoner schraubt so ganz für sich alleine zuhause an Tracks. Eines Tages geht er mal tanzen, lernt dort berühmte DJs aus Detroit kennen, man feiert noch ein bisschen weiter, unser Held spielt schüchtern mal seine Nummern vor, zack, Vertrag per Handschlag, Release!
Cooles Märchen, oder was?
So ähnlich ist es Wbeeza ergangen, das Label ist Third Ear, die Detroiter sind Mike „Agent X“ Clark und Delano Smith. Mittlerweile hat er – „Jackaboom“ mitgerechnet – an die 10 Maxis veröffentlicht und gilt nicht nur hier im Kochplattenteller Hauptquartier als einer der heissesten Acts, auf die man 2011 ein Auge haben sollte.
Mit „Jackaboom“ haut er uns seine bisher tödlichste Waffe um die Ohren: zwei lässige Tracks, stripped to the bone, rough jackend, die sich immer wieder so subtil zu häuten scheinen, dass man es kaum mitbekommt, die Spannung aber bis zum Ende gehalten wird. Das Live-Feeling kommt nicht von ungefähr, Wbeeza hat alles aus zwei LiveJams im Studio gefiltert, aus den Parts, die er auch bei live benutzt. Die Coolness dieser Nummern, die durch ihre Hihatfiguren immer so einen kleinen Jazztwist mitbekommen, ist absolut imponierend – da sollte noch einiges kommen.

Freitag, 24. Dezember 2010

Ein frohes Weihnachtsfest!


...oder um mal jemanden zu zitieren, den wir sehr schätzen: Peace, Knowledge, Wisdom, Freedom, Power, Understanding, Respect, LOVE.

Dienstag, 21. Dezember 2010

Auf die letzten Meter: Gekochtes Wasser



Was kann Blogleserherzen, so kurz vor Jahresende wirklich höher schlagen lassen? Stimmt, ein Jahresrückblick! Einen musikalischen gab's an dieser Stelle bereits, fehlt jetzt nur noch der kulinarische, könnte man denken. Aber dann müsste auch noch ein biochemischer und ein physiopolitischer oder gar neurobiologischer Blick in die fast vergangenen zwölf Monate folgen und das würde tatsächlich unseren Rahmen hier sprengen, gelle!?
Nein, lassen wir das alles und handeln, wie schon häufiger, antizyklisch.
Alle Welt (ausser ein kleines Dorf...) füllt heuer Truhen, Töpfe und Terrinen auf das Üppigste, um christlichen B(r)äuchen ein Wohlgefallen zu sein.
Was also läge näher als noch mal und auf die Schnelle ein einfaches Gericht für all jene vorzustellen, die am Ende des Geldes noch reichlich Monat übrig haben. Hier wurde bereits vor einigen Tagen auf das Phänomen bezug genommen. Sei es nun Geldstrecken oder restesynergetisches Handeln genannt, ein kreativer Akt ist es allemal. Und einer, der den Schaffenden in den herdischen Adelsstand erhebt sowieso.
Zurück zum gekochten Wasser: kennengelernt hab ich die Geschichte eigentlich als sizilianisches Armeleuteessen. Du brauchst Knoblauch, etwas Olivenöl, Brühe (fast egal, welche), Kartoffeln und ein paar Pastareste (ich hatte noch Pizzoccheri). Den Knoblauch schneidest du in hauchdünne Scheiben und gibst dir mal ein bisschen Mühe dabei, versprochen!? Die Scheibchen dünstest du in Olivenöl allenfalls leicht glasig, auch hier bist du mit den Gedanken mal nicht woanders, sondern bei der Sache, verstanden!?
Dann gibst du die geschälten, kleingewürfelten Kartoffeln dazu und lässt sie eine halbe Minute in dem heissen Öl anbraten. Dann giesst du die heisse Brühe, die dir gerade zur Verfügung steht, an und lässt das Ganze kochen. Kurz vor Ende der Kartoffelgarzeit gibst du deine Nudelreste dazu und lässt alles zu einer sämigen Suppe einkochen. Keine Sorge, hier geht es nicht darum, die Pasta auf den Punkt zu garen, die darf ruhig ein bisschen matschig werden, o.k.!? Pfeffer und eventuell etwas Salz nicht vergessen. So, und nun machst du dich auf und reibst etwas Parmesan über deinen Teller (die Suppe sollte schon drin sein), wenn du noch gehackte Petersilie im Haus hast, hau druff like no tomorrow!
Was das jetzt mit dem gekochten Wasser soll? In einem meiner Kochbücher hab ich irgendwann mal sowas ähnliches entdeckt, und da heisst es Aqua cotta con und ist ein toskanischer Hirteneintopf, in den du alles packen kannst, was bei drei noch nicht zwangsvollstreckt wurde.
Wenn du also noch weisse Trüffel hast, die vor dem Auge des Fiskus verborgen werden sollten, rein damit! Nein, Scherz, du kannst deine sämtlichen Gemüsereste (Bohnen, Paprika, Möhren usw.) auf diese Weise verwerten, du kannst statt Pasta Buchweizen oder Reis nehmen, wenn du beim Rubbellosen gewonnen hast, kannst du kleine Hackfleischbällchen mitkochen lassen, wenn du die Bildungschips deiner Kinder auf abenteuerlichem Weg doch irgendwie zu Bargeld machen konntest, mach Bällchen aus Lammhack, vielleicht lässt du auch mal für zwei Monate die Finger vom Internet, dann kannst du auch noch frischen Thymian und Rosmarin dazugeben, du packst das schon, da bin ich sicher!
Und vergiss nicht: wird allet nich so heiß gegessen, wie et gekocht wird, klar!?

Freitag, 17. Dezember 2010

Flashback 2010 Nachtrag: Mike Huckaby

Kaum war der Jahresrückblick eine halbe Stunde online, meldete sich Mike Huckaby via Facebook. Ob es schon zu spät sei?
Im Übrigen sei Bochum "one hell of a surprise" gewesen und "one of the best parties on this tour". 
Thanx Mike, we had tons of fun as well!
Und hier die Top5 best tracks 2010 of our man from the D:


1. Ron Trent - Spaces and Places ep - Future Vision Records
2. Red Rack 'Em - How i program - Bergerac Records
3. Oleg Poliakov - Jungle Warfare ep - Eklo Records
4. Jungle Wonz - Time Marches on - repress - Trax
5. Terry Lewis - Disco City - Repress - Not on Label

Flashback2010

Zeit für den Jahresrückblick.
Das kann einer alleine nicht leisten, schließlich haben wir nicht mehr 1980. In der Veröffentlichungslawine von 2010 gibt es keinen wirklichen Konsens mehr, schon gar nicht in der Welt des avancierten Bootyshakens. Vielleicht bei den Alben. Caribou, Four Tet, John Roberts und eine handvoll weitere, da können sich die meisten drauf einigen. Aber hier geht’s immer nur um Tracks, und da macht es sich der Kochplattenteller einfach und fragt in der Nachbarschaft rum und bei ein paar Kollegen, die 2010 ordentlich für Shaka-shaka in der Stadt gesorgt haben.
Mehrfachnennungen gibt’s extrem wenige und interessanterweise sind auch die heissen  Anwärter auf den Sophistication-Thron (Kyle Hall, Kassem Mosse etc) nicht oder fast nicht vertreten.
Erwähnenswert noch die 4fachplatzierung von Carl Craig – mit 3 verschiedenen Tracks!
Aber seht selbst:

Dplay / Mild Pitch. Essen
Moodymann - It's 2 Late 4 U And Me
Azari & III - Reckless With Your Love (Manuel Tur's Tin Cry Remix)
Genius Of Time - Same Old Place
Langenberg - Tribute
Various - Uncanny Valley # 001


Ingo Sänger / Farside, Taxi Club, Dortmund
Genius Of Time - Same Old Place /aniara)
Jamie woon - Night Air (ramadanman refix) (Candent Songs)
Zero 7 - Futures (carl craig remix) (Atlantic)
Blakkat - In This World (langenberg remix) (Mild pitch)
Paskal & Urban Absolutes - Need Love (Farside)

Guy Dermocessian a.k.a. DJ Gerald / Funkloch, Arteque Rec, Bochum
Chicago Damn - Hold On (MERC 005)
Theo Parrish - Ugly Edits 11 (UGET 11)
Woima Collective - Tezeta (KS 032LP)
Kyle Hall - After Fall (RH 111 C)
Crue-L Grand Orchestra - (You are) More Than Paradise (CLCL1213)

Hans Nieswandt/ Köln
Storm Queen - Look Right Through
LTD - If Yu´re In Need (Supervalue Edit)
Benjamin Brunn- Dance Inside
GusGus - Hateful (Ada feat Mayburg Remix)
Axel Boman - Purple Drank

Krischan Wesenberg / Deep Kennedys, Homewreckers, Gelsenkirchen
 Robert Hood - Omega
Gil Scott-Heron - I´m New Here
We Have Band - Divisive (carl craig remix)
dop - Stock Option
Wax30003

Manuel Tur / Mild Pitch, Essen
Jamie Woon - Night Air - Candent Songs
Mim Suleiman - Nyuli - Running Back
Wildbirds & Peacedrums - Bleed Like There Was No Other Flood
Four Tet - Angel Echoes
ARP101 - Dead Leaf

Markus Freitag / Electronic Lounge, Bielefeld
Oni Ayhun - OAR004-A (Oni Ayhun Records)
DJ Sprinkles - Hobo Train (Skylax)
Ame - Rrose Selavy (Innervisions)
Carl Craig - At Les (Christian Smith's Tronic Treatment) (Tronic)
Greg Gow - The Bridge (Late Night Grand River Remix) (Transmat)

Modern Walker / ISENDIT, Essen
Frankman - Eikma / Alex V Remix (Sophisticate)
Bengoa - Make This Happen (MOSCOW004)
Aleksey Beloozerov - My Summer Day (Society 3.0)
Alex Figueira - Spaced out loved song (ISENDIT.017)
So Inagawa - Cabaret To Cabaret EP (Relaxine)


Ralf Odermann / Deep Kennedys, Bochum
WAX 30003
Ame – Rose Selavy
Melchior & Pronsato – Puerto Rican Girls
Smallpeople & Rau – Meadows
Zero 7 – Futures / Carl Craig Remix

Steffen Baldo / Rush Houe, Polyfon, Köln
Jamie 326 - Comin On Strong / the basement edits vol.1
Vakula - So gut wie alles
stffnbld - Shed Some Tears
The Reboot Joy Confession - 1999 - spirits of the planets
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Dienstag, 14. Dezember 2010

Ragout Fin oder die Kunst der unfreien Assoziation



Also, ich schreib das jetzt mal so runter, wie es wirklich gewesen ist.
Angefangen hat alles damit, dass mir jemand erzählt hat, sie habe Königsberger Klopse zu mittag zu sich genommen. Aha, dachte ich, Kalbfleischknödel mit Kapern und allem Drum und Dran. Da hab ich doch irgendwo ein Rezept.
Richtig, Siebecks Kochschule für Anfänger, der Feinschmecker, Sonderausgabe 2004. Mein Gott, wie die Zeit vergeht, usw. dachte ich dann auch noch. Dann kam erstmal der Hardwareinput beim Discounter dazwischen. Daselbst wurde ich höflich aufgefordert, mich doch bitte mit Königin Pasteten zu bevorraten. In jenem Moment fiel mir auf, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen sein könnte, mich endgültig von meiner Kindheit zu emanzipieren, in der dieses grossbürgerliche Teufelswerk die zu Teig gewordene Versuchung für hartnäckig praktizierte protestantische Zurschaustellung täglichen Leidens war. Kurz und gut: ich bevorratete mich vorbildlich, nachgerade in römisch verschwenderischer Manier und die Geschichte mit den Klopsen geriet darüber in den Hintergrund.
Stattdessen rückte aber noch einmal ein Stück kulinarischer Sozialisation in den Vordergrund und ich dachte solch Überflüssiges wie: mein Gott, wie gerne hätte ich damals auch mal Ragout Fin gegessen. Schliesslich war es zumindest ein Ondit, dass irgendwelche Anverwandte unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihre Segensfeier anlässlich eines Lottogewinns (so die Mutmassungen) mit diesem Mahle krönten. Wieder andere luden uns zwar ein, wussten aber die Köchin unserer Familie auf das empfindlichste z.B. mit der Präsentation von Schmetterlingssteaks mit Ananas zu beschämen. Das mit dem Schämen dürfte zweierlei Gründe gehabt haben: zum einen wurde hier schamlos Verschwendungssucht zur Schau gestellt, was dem Ehebruch oder einem Tötungsdelikt an Verwerflichkeit in nichts nachstand. Zum anderen waren die erwähnten Steaks nicht anderes als der verlängerte Finger in der ständig halboffenen Wunde besagter Köchin, die schlichtweg daher rührte, dass es bei uns immer nur die gleiche Pampe gab. Um des lieben Friedens gaben wir Kinder uns die grösste Mühe, maximale Abscheu gegen dererlei Ausschweifungen zu heucheln. Das wiederum führte zu einem gestörten Verhältnis zu dem, was gemeinhin als „häuslicher Friede“ bezeichnet wird (was jetzt aber eigentlich zu weit führt).
Ach so, wichtig wäre noch zu erwähnen, dass damals die gesundheits- und karmagefährdende Wirkung von Neid noch nicht ausreichend wissenschaftlich erforscht war. Dementsprechend sorglos war der allgemeine Umgang damit.
Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem ersten Teil der Emanzipation durch war ( ich durfte ja bereits einen währschaften Bestand Königin Pastete mein eigen nennen) war der nächste Schritt nur folgerichtig. Es wird Ragout Fin zubereitet! Was also läge näher, als das soziale Netzwerk des Vertrauens in die Verantwortung zu nehmen und mal kurz in die Runde zu fragen, wer denn ein prima Rezept dafür (Obacht: Originalton: „auffer Pfanne“) hat. Zuverlässig wie die Schweizer Garde kam der Hinweis auf Siebecks Weihnachtsmenue in der Zeit. Aha, der Bogen schliesst sich und alles, was bislang den (Ra)Goût des Unfugs hatte, ergab plötzlich einen Sinnn.
Das Geschissel mit dem Bries hab ich weggelassen, eine Kalbszunge war nicht zu kriegen, und da bei uns gefälligst die Feste gefeiert werden wie sie fallen, habe ich aus einer Hühnerbrust mit Haut und einer Kalbsbeinscheibe (und den üblichen Verdächtigen) eine Brühe gekocht, für die, zu morden, es sich halbwegs lohnen würde. Wirklich spektakulär, kein Scheiss!
Aber, oh Jesses! Der Rest war mitnichten dazu angetan, mir irgendein Kindheitsdefizit glaubhaft zu machen. Ja, klar, das hatte schon was.  Aber für diesen gaumenschmeichlerischen Teatime Snack einen geschlagenen Nachmittag am Herd zu stehen, och nöö! War ne gute Erfahrung, war auch irgendwie lecker und hat mich um ein Defizit ärmer gemacht. Und das ist es doch, was den Keks (manchmal) krümeln macht, oder?

Agoria feat carl Craig - Speechless
LCD Soundsystem – Throw (beide Planet E)


Ihr habt’s schon gemerkt (hoffe ich): jemand, der mir ziemlich ähnlich sieht, hat die Musikhälfte des Blogs ganz schön lange schleifen lassen. Hatte halt andere Probleme, hüstel.
Da muss schon jemand wie Carl der Große kommen, um mich wieder an den Schreibtisch zu zerren. Craig ist der Nachname des Mannes, und von zweien seiner 12“s will, ach was, muss ich dem geneigten Leser berichten.
Man kann ja durchaus geteilter Meinung sein, wenn der Mann, dessen Trax und Mixes mehr so unantastbar sind, selbst zum Micro greift, um uns zu erzählen, dass er einem „Baby“ in den Schlüpfer möchte, aber wenn der Track ein derartiges Brett ist (wie wir früher sagten), dann ist jeder Zweifel in Sekundenschnelle weggefegt. „Speechless“ passt auf Planet E wie die sprichwörtliche Faust auf’s Auge, sei es, dass Agoria den Track mit dem Label im Hinterkopf produziert hat, sei es, dass Carl Craig selber an dem einen oder anderen Knöpfchen mitgedreht hat. Jedenfalls handelt es sich hier um ein ebenso deepes wie kerniges Stück Housemusic Detroit’scher Prägung, dass sich unwiderstehlich steigert und steigert und noch weiter steigert und nicht mal ein klitzekleines Breakchen benötigt, damit keine Langeweile aufkommt.
Der zweite Release, um den es hier geht, ist ein Cover – und zwar noteperfect – eines Tracks, der seit seiner Erstveröffentlichung 1994 eigentlich nie meine Plattenkiste verlassen hat. „Throw“ muss man  nicht covern, wenn man selber derart ergriffen vom Original ist, dass man nichts, aber auch gar nichts hinzufügen, weglassen, neuinterpretieren will, und deshalb sehe ich den Release eher als Wiederveröffentlichung eines (sich auf der Rückseite befindlichen) Tracks an, der mit seinem discoiden (Loleatta Holloway!) Basslauf heute so aktuell ist wie damals und kein bisschen von seiner Magie eingebüßt hat. 

Montag Dienstag ist Oldschooltag

Samstag, 11. Dezember 2010

HouseHausmitteilung

Was haben wir uns gefreut über quasi unser erstes Weihnachtsgeschenk! Aber sowatt von!
Das Kommando Mardermann ist nämlich woanders erwähnt worden. Tja-ha!
Und zwar auf dem Kulturhauptstadt-Blog 2010lab. Dort schreibt Kollege Perik Hillenbach, bekannt durch und geliebt für  "Dortmund geniesst"", "Gebrauchsanweisung für das Ruhrgebiet" und tausend andere klasse geschriebene Sachen (denn wo der hinschreibt, wächst kein Gras mehr...) seinen Adventskalender - und heute war K wie Kochpplattenteller.


Der Kasten Fiege Pils ist unterwegs, Perik.

Freitag, 10. Dezember 2010

Spass auf'm Markt

Originalidee: der Pate (der so langsam den Blog hier zu übernehmen scheint...)

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Pulpe (wenig Worte, viele Bilder)


2 kleine Pulpe
1 Bund Petersilie
4 Knoblauchzehen
2 Schalotten
2 Lorbeerblätter
Olivenöl, Fleur de Sel, Pepe Valle Maggia

Die Tierchen waschen und in einen Topf mit heissem Olivenöl, den Lorbeerblättern und den halbierten Schalotten geben und bei moderater Hitze im geschlossenen Topf ca. 35 Minuten garen.
Dann herausnehmen, in eine ofenfeste Form geben, mit in Scheiben geschnittenem Knoblauch und der Hälfte der gehackten Petersilie bestreuen, mit Olivenöl begiessen und im vorgeheiztem Backofen (180 Grad) nochmals 35- 40 Minuten backen, dabei ab und zu mit der Flüssigkeit/Öl begiessen.
Nach Beendigung der Garzeit mit Fleur de Sel, Pepe und der restlichen Petersilie bestreuen.
Soweit das Rezept, wie ich's fast eins zu eins abgeschrieben und natürlich auch nachgekocht habe.
Die Garzeiten richten sich nach der Grösse der Kraken. Eigentlich sollten sie im Ergebnis butterweich sein, ich vermute, meine hätten noch zehn Minuten im Backofen gekonnt, wie man so schön sagt. Der Begeisterung, die bereits beim ersten Duftaufkommen durch Anbraten entstand, hat das jedenfalls keinen Abbruch getan.
Im Original werden gesalzene Backkartoffeln und geschmorte Cherrytomaten dazu gereicht. Bei uns gab's die Tomaten in Olivenöl und Balsamico geschmort, statt der Kartoffeln reichten wir Pasta. Sieht doch klasse aus, oder!?

Sonntag, 5. Dezember 2010

Vorgestern bei der Freundin des guten Geschmacks


 Virtuelle soziale Netzwerke sind in der Tat eine feine Sache, ohne Frage.
Noch feiner wird’s aber, wenn man feststellt, dass der eine oder andere Faden des Netzes auch im wirklichen Leben (zu deutsch: Real Life) über Tragfähigkeit verfügt. Und so war es denn nur noch eine Frage der Zeit, dass sich in der Bochumer Foodbloggerszene zusammenfindet, was zusammengehört. Bevor sich das bedeutungsschwangere 2010 dem Ende neigt, hier noch einmal die Kurzfassung dessen, was uns so ausmacht:

Komm zur Ruhr
Wo ein raues Wort dich trägt, weil dich hier kein Schaum erschlägt,
wo man nicht dem Schein erliegt, weil man nur auf Sein was gibt.
Wo man gleich den Kern benennt und das Kind beim Namen kennt.
Von klarer offner Natur, urverlässlich, sonnig stur,
leichter Schwur: Komm zur Ruhr.

Schnörkellos ballverliebt, wetterfest und schlicht.
Geradeaus, warm, treu und laut -
hier das Leben, da der Mensch, dicht an dicht.
Jeder kommt für jeden auf, in Stahl gebaut.
Und der Hang zum dürretrockenen Humor.
Und der Gang, lässig und stark.
Wer morgens verzagt, hat's mittags längst bereut.
Es ist wie es ist, es wird Nacht und es wird Tag.

Wo ein raues Wort dich trägt, weil dich hier kein Schaum erschlägt,
wo man nicht dem Schein erliegt, weil man nur auf Sein was gibt.
Wo man gleich den Kern benennt und das Kind beim Namen kennt.
Von klarer offner Natur, urverlässlich, sonnig stur,
so weit so pur: Komm zur Ruhr.

Leute geben, Leute sehn, sie bewegen, sie verstehn, alle vom Flussrevier.
Dass der Rhein sich neu genießt, liegt an diesem Glücksgebiet.
Alles fließt, alles von hier.

Wo ein Wort ohne Worte zählt, dir das Herz in die Arme fällt.
Wo "woher" kein Thema ist, man sich mischt und sich nicht misst.
Wo man gleich den Kern benennt und das Kind beim Namen kennt.
Von klarer offner Natur, urverlässlich, sonnig stur - das ist Ruhr.
Seelenruhr von schwerverlässlicher Natur.
Urverlässlich, sonnig, stur - so weit, so ur: Seelenruhr.
Ich mein ja nur: Komm zu Ruhr.


Von diesem einzigartigen Geiste (wir sind nun mal wie wir sind!) war denn auch der Freitagabend geprägt, über den man hier trefflich lesen kann und auch sollte! Den Ausführungen des Geniessers habe ich nichts wirklich Wesentliches hinzuzufügen. Na gut, im Muschelsud war kein Speck, sondern spanische Salami (ihr wisst schon, die Unaussprechliche!), den Köchinnenwein hab ich Nicht! alleine getrunken und das mit dem Heldinnentum würd ich mal so formulieren: Women have to do what they gotta do, fertig! Doch Stopp! Auch auf die Gefahr, den Geniesser ein weiteres mal am Boden seiner selbstlosen Bescheidenheit anzurühren, so 
sieht ein Mann aus, der eine Frau mit lässig, starkem Gange unverzagt in bester Winnetou-Tradition auch noch zur letzten Haltestelle im verschneiten Transsilvanien geleiten würde. Niemals würde er ein Wort über deine unpassenden High Heels oder deine fahrlässig knapp bemessenen Knoblauchvorräte verlieren, ich weiss das!


Donnerstag, 2. Dezember 2010

Knödel für Erwachsene



 Seit letztem Samstag ist es soweit: auch das jüngste Mitglied unseres Triumvirates ist, genauso wie die anderen beiden, auf dem Papier erwachsen, wie man so schön sagt.
Dem Anlass entsprechend gab es am Abend des Wiegenfestes die besten Lammkarrees, die ich jemals zu mir genommen habe. Die Sosse, die auf Basis eines selbstgefertigten Lammfonds und Rotwein meisterlich komponiert wurde, ist ebenfalls nicht genug zu lobpreisen. Na gut, die Böhnchen mit Estragon waren auch traumhaft. So weit, so sehr gut!

Mir liegt indes an dieser Stelle sehr daran, einmal die sogenannte Sättigungsbeilage in den Vordergrund zu rücken. Das hat zweierlei Gründe: zum einen habe ich das erste mal in meinem Leben Serviettenknödel gegessen, zum anderen fand ich sie nachgerade himmlisch! Und das lag nicht daran, dass du dafür mal wieder weder eine Bank überfallen, noch ein Tier schlachten musst. (Du kannst es natürlich, feel freee! Aber du musst nicht!)
Ich will darüberhinaus nicht so tun, als hätte ich an jenem Abend wesentlich mehr als die Küchenschabe gegeben. Alles war mehr oder weniger das Werk meines Gastkochs aus der Schweiz, der dem aufmerksamen Leser unseres Blogs inzwischen kein Unbekannter mehr sein dürfte.
Der Wahrheit die Ehre, gelle!?

Zu den Knödeln:
Du brauchst eine Schüssel voll gewürfeltem, altbackenem Brot (wir hatten reichlich vom letzten Fondue übrig),
ca. einen halben Liter warme Milch,
etwas gehackte, glatte Petersilie, Pfeffer, Salz, Muskat,
2 Eier, 2 Esslöffel Butter, Zellophan und Alufolie.
Das Brot weichst du für zehn Minuten in der Milch ein, danach drückst du die überschüssige Milch mit den Händen wieder raus. Dann gibst du Petersilie, Gewürze und die Eier in die Brotmasse. In einer kleinen Pfanne bräunst du die Butter recht kräftig an, lässt sie leicht auskühlen und gibst sie ebenfalls dazu. Solltest du dir nicht sicher sein, dass der Teig fest genug ist, kannst du ruhig etwas Mehl dazuschütten. Jetzt formst du eine schöne grosse Rolle, die du zuerst mit Zellophan, dann mit Alufolie umwickelst. Wenn du dich jetzt fragst, warum die Jungs Serviettenknödel heissen, vergiss es an dieser Stelle einfach! Wir nennen sie hier jetzt mal Folienknödel, o.K.?
Deine Folienrolle garst du in leicht köchelndem Wasser ca. 40- 60 Minuten. Keine Angst, zu fest kann sie eigentlich nicht werden, also lieber etwas länger, als zu kurz garen.
Du befreist die Rolle von der Folie, schneidest Scheiben davon und tust damit, wie dir beliebt.
Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, sie in Olivenöl mit Salbei anzubraten, aber was red ich; dir fallen bestimmt noch viele andere leckere Varianten ein, gelle!?