
Johannes Ehmann, Gregor Pottmeier und Krischan Wesenberg sind längst weltberühmt. In einer besseren Welt.
Im wirklichen Leben fragte sich 2008 alle Welt bei Erscheinen ihres brillanten Debüt-Albums „American Ruhr“ (ha!), wer denn diese Jungs wohl seien.
Obwohl schon ihre erste 12“-Veröffentlichung „Ruhrschnellweg“ (noch unter dem Namen „Broccoli Brothers) Mitte der 90er von Laurent Garnier zu einem „Techno-Klassiker“ erklärt wurde. Obwohl ihre Releases Anfang der 00er Jahre, als sie Schnittstellen zwischen House und Disco ausloteten, von Leuten wie Gilles Peterson, Ashley Beedle, Rainer Trüby oder Groove Armada gespielt und hochgelobt wurden.
Erst seit „American Ruhr“ werden die Homewreckers in einem größeren Maßstab wahrgenommen. Das Fachmagazin Groove etwa urteilte, daß sie „sicher über den eigenen Groove“ verfügen. Dieser ist es, der den Wahlberliner (des Jobs wegen) Ehmann, den Bochumer Pottmeier und den Gelsenkirchener Wesenberg aus der Masse hervorhebt. Ein dunkel brodelnder, staccatohafter Bassgroove, in dessen Zwischenräumen jazzy samples für den Funk sorgen, während oben drüber percussive Synth-Licks darauf warten, daß deepe Akkorde, Kemos unvergleichliche Raps und Dennis Legrees Stimme für den Soul sorgen. Als Derrik May das Wort vom Hi-Tek Soul prägte, muß er die Homewreckers im Sinn gehabt haben.
Überhaupt: beim nächsten Namedropping-Contest wären die Kollegen haushoch favorisiert, wenn ihnen etwas daran läge. Vokalist Dennis Legree war Sänger beim Musical Starlight Express, für das Johannes Ehmann als Pressesprecher arbeitete, die Cover für das Album und die vier ausgekoppelten Maxis stammen vom Brooklyner Digitalkünstler Cory Arcangel, irgendwo rappt Neil Harris aus dem UR-Umfeld, als Remixer durften sich schon die Detroiter Mark Flash und Mike Huckaby, der Essener Langenberg (Mild Pitch) und zuletzt der Kalifornier Dave Aju am Homwreckers-Groove abarbeiten. Irgendwo in diesem bandeigenen Universum findet manchmal gar der Autor und Poptheoretiker Kodwo Eshun seinen Platz. Diese globale Vernetzung findet ihren vorläufigen Höhepunkt in der Geschichte der brandneuen 12“ „Not My Business“. Der gerade erwähnte Dave Aju nämlich spielte die ersten 3 Maxiauskopplungen aus „American Ruhr“ laufend bei seinen diversen Clubnächten in San Francisco und sorgte dafür, daß sich das bis nach Paris zu Circus Company, dem Label, bei dem er unter Vertrag stand, herumsprach. Diese kontaktierten die Homewreckers und man vereinbarte, eine Maxi zu veröffentlichen, deren A-Seite wiederum Dave Aju remixte.
Um das schon mal vorwegzunehmen: die Scheibe ist ein Killer!„Not My Business“ ist ein episches Stück Techno-Soul, das den Funk zurück nach Detroit bringt. Der Track lässt sich viel Zeit und baut Spannung auf, bis es einem physisch weh tut – und dann droppt er ein paar Claps und lässt Legrees Soul Stimme (die es an guten Tagen, und dieses war einer, mit der von Robert Hood aufnehmen kann), und der dancefloor ist im Himmel.
„Chicago Urban Blues“, das auf dem Text eines Prefab Sprout Songs basiert und mit Homewreckers-Buddy und Immermalwieder-Kollaborateur Tobias Koth gemeinsam produziert wurde, schickt den bandeigenen Groove auf eine Reise nach Chicago – sicher der Track, der mit seinem absolut un-oldschoolig (äh…sie wissen schon) jackenden Beat jede Tanzfläche auf links dreht. Bad!
Der „Not My Business“-Remix von Dave Aju letztendlich nimmt dem Stück den epischen Build-Up, reduziert die Hektik im Groove (und das Tempo?) und schafft einen soulfullen, kleinen House-Klassker.
Ich verwette meine beiden 1210er, dass in einem halben Jahr die ganze Welt der avancierten elektronischen Tanzmusik ziemlich genau weiß, wer die Homewreckers sind.
Homewreckers - Chicago Urban Blues by Homewreckers
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