Vor einigen Tagen löste Peter Krauskopf (aka
der Geniesser) mit seinem
"Manifest einer kulinarischen Bewegung im Ruhrgebiet" bei den Ruhrbaronen eine, wie ich finde, sehr interessante Debatte aus. Einen nachhaltigen Eindruck hat die These des von mir sehr geschätzten Perik O'Loso gemacht, und die lautet in etwa wie folgt: das Bemühen um eine vernünftige Ernährung wird nicht etwa durch einen zu schmalen Geldbeutel sondern vielmehr durch Mangel an Grips vereitelt. (@perik: das war's doch, was du meintest, oder?) Schön auch sein Apart, daß in unserem Land die meisten Bemühungen an eben genau diesem Misverständnis kategorisch scheitern, aber das ist eine andere Tasse Tee...
Ich will an dieser Stelle keineswegs das Faß der traditionellen Ruhrgebietsküche und schon garnicht das der Spitzengastronomie im Ruhrgebiet aufmachen, das erste kenne ich zwar sehr gut, ist mir manchmal aber 'n bißchen zu tough, im zweiten kenne ich mich im Moment zu wenig aus, als daß ich meinem Senf dazugeben müsste.

Also zurück zur These, daß ein bißchen Bildung bei gutem Essen nicht schaden kann.
Ich glaube, Bildung - und ich meine die Sorte, die einen gesamtgesellschaftlichen Nährwert hat - ist nicht unbedingt akademischer Natur, sondern setzt lediglich die Bereitschaft und Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen voraus. Im kulinarischen Alltag, so wie ich und viele andere ihn betreiben bedeutet das, Stellung zu beziehen, Entscheidungen zu treffen und Prioritäten zu setzen, egal in welcher Reihenfolge.
Klar, bin ich die erste, die etwa bei „zu Tisch in...“ auf Arte, wo's im übrigen auch immer um regionale Küche geht, die ganze Litanei rauf und runter schreit: kann ich hier nicht kriegen, Einkaufsdiaspora das hier, nix kann man machen! Ich bin auch diejenige, die ab und an 'nen Blutsturz angesichts der Einkünfte, die ausschließlich im Kühlschrank landen, kriegt.
Ich bin aber auch diejenige, die eine gesunde Mischkalkulation lebt und auf keinen Fall darauf verzichten wird, Fleisch, Fisch und Gemüse auf dem Wochenmarkt zu kaufen, lokale Einzelhändler nach Kräften zu unterstützen und all das als Teil ihrer Lebensqualität bezeichnet. ( Dafür haben wir auch immer noch keinen Flachbildschirmfernseher, so what?)
Und jetzt meine gestrige Interpretation der modernen Ruhgebietsküche:
Buchweizenravioli mit Blutwurst auf Zwiebelconfit

Ravioli
100 g Weizenmehl
200 g Buchweizenmehl
2 Eier
lauwarmwes Wasser zu einem geschmeidigen Teig verkneten, ruhen lassen.
1 halbe geräucherte Blutwurst kleinschneiden, im Mörser zermatschen und mit Ziegenfrischkäse vermischen ( ist das jetzt schon Fusion?). Die Wurst bringt genug Aroma mit sich, also beim Würzen vorsichtig sein!
Teig ausrollen und kleine Kreise ausstechen, mit der Füllung belegen, zusammenklappen, die Ränder fest andrücken.
Zwiebelconfit
6 mittelgroße Zwiebeln in feine Ringe schneiden, in Butter anschwitzen. Einen Eßlöffel Birnenmarmelade ( stammte gestern vom Patenonkel aus der Schweiz, seines Zeichens aber im besten Wanne-Eickler Spirit aufgewachsen!) unterrühren. Die Zwiebeln anbräunen, mit einem Schuß Brandy ablöschen, mit Pfeffer und Salz abschmecken und kurz einköcheln lassen.
Die in siedendem Wasser gegarten, abgetropften Ravioli auf den Zwiebeln anrichten, fertig!
Bodenständig, preiswert und unglaublich aromatisch…